Veröffentlicht 22. Mai 2026
Englisch lernen für Erwachsene kostenlos: was Duolingo nicht liefert
Du hast Duolingo zwei Monate ehrlich versucht. Streak war bei 47 Tagen, du wusstest, wie man auf Englisch sagt „Der Bär trinkt Bier”, aber als der Engländer im Konferenzraum dich gefragt hat, wie das Quartalsergebnis aussieht, bist du verstummt. Das ist nicht dein Versagen — das ist ein Mismatch zwischen Werkzeug und Ziel.
Erwachsene lernen Englisch aus anderen Gründen als Schüler: Beruf, internationale Beziehungen, echte Filme statt nachsynchronisiertem Schrott, Bücher im Original. Dieser Text zeigt dir, was du als erwachsener Lerner wirklich brauchst, welche kostenlosen Quellen tatsächlich liefern, und wann du doch besser Geld in die Hand nimmst.
Warum Duolingo & Co. erwachsene Lerner ausbremsen
Bevor wir loslegen: Duolingo ist nicht böse. Es ist gut darin, was es ist — eine niederschwellige Möglichkeit, jeden Tag ein paar Minuten an einer Fremdsprache dranzubleiben. Das Problem ist, dass die meisten erwachsenen Lerner mit Duolingo Erwartungen verbinden, die es nicht erfüllen kann.
Erstens, das Material ist gestückelt. Du übersetzt einzelne Sätze („The duck eats bread”), bekommst aber nie zusammenhängende Texte oder Hörbeispiele in normalem Sprechtempo. Dein Gehirn lernt, einzelne Sätze zu parsen, aber nicht, einem englischsprachigen Vortrag zu folgen oder einen Roman zu lesen.
Zweitens, Inhalt vor Form. Erwachsene lernen schneller, wenn der Inhalt für sie relevant ist. „The owl is wearing a hat” interessiert dich nicht. Ein TED-Talk über Verhaltensökonomie schon. Wenn das Material langweilt, sinkt die Aufnahme.
Drittens, Plateau bei ungefähr A2. Duolingo bringt dich von Null auf A2 ganz solide. Danach wiederholt sich das Material, das Niveau steigt kaum noch, und du klickst aus Gewohnheit weiter, ohne wirklich zu lernen. Auf der eigenen Sprachskala ist Duolingo selten über B1 hinaus nützlich.
Viertens, keine produktive Übung. Du tippst Wörter, klickst Antworten. Du sprichst kaum, du schreibst keine zusammenhängenden Texte. Wenn du im Beruf eine englische E-Mail schreiben musst, hilft dir das wenig.
Das alles heißt nicht „Duolingo löschen”. Wenn du Duolingo als 10-Minuten-Routine im Bus magst — behalt es. Aber kombiniere es mit Quellen, die das ergänzen, was es nicht kann.
Was Erwachsene wirklich brauchen
Wenn du als Erwachsener Englisch lernst, hast du fast immer eines dieser vier Ziele:
Berufliches Englisch. Du musst E-Mails schreiben, Meetings auf Englisch führen, vielleicht eine Präsentation halten. Dein Vokabular muss Fachbegriffe deiner Branche enthalten, deine Schriftsprache muss strukturiert sein, deine Aussprache so klar, dass man dich versteht — perfekt muss sie nicht sein.
Konversationsfähigkeit. Du willst auf Reisen, beim Restaurantbesuch in London oder beim Smalltalk auf einer Konferenz nicht stumm dastehen. Du musst Hörverständnis trainieren, dein passives Vokabular aktivieren und Standardphrasen automatisieren.
Medienkonsum im Original. Du willst Christopher Nolan ohne Synchronisation, Stand-up-Comedy von John Mulaney, BBC-Dokumentationen, Stephen King im Original. Hier zählt Hörverständnis bei normalem Tempo plus passives Vokabular.
Echte Fluency. Du willst nicht mehr „Englisch gut” auf den Lebenslauf schreiben, sondern es leben. Englisch denken, träumen, fluchen. Dafür gibt es keine Abkürzung — nur Volumen.
Schreib auf, welches der vier dein primäres Ziel ist. Methoden, die für Berufsenglisch perfekt sind, sind für Fluency suboptimal, und umgekehrt.
Realistische Zeitrahmen
Bevor du Pläne machst, ein paar harte Zahlen. Das Foreign Service Institute der USA hat aus jahrzehntelanger Erfahrung mit Diplomaten-Sprachausbildung Stundenzahlen für „professional working proficiency” (etwa B2/C1) berechnet. Für deutschsprachige Erwachsene, die Englisch lernen, sind das ungefähr 600–750 Unterrichtsstunden. Mit Selbststudium dazwischen rechnest du ungefähr das Doppelte, also 1200–1500 Stunden.
Klingt viel? Bei einer Stunde pro Tag sind das vier Jahre. Bei zwei Stunden pro Tag zwei Jahre. Bei einer halben Stunde pro Tag acht Jahre.
Das ist nicht entmutigend gemeint. Das ist Realismus. Wenn dir jemand verspricht, dass du in drei Monaten fließend wirst, lügt er. Aber: Von A2 auf B1 kommst du in sechs bis neun Monaten, wenn du dranbleibst. Das ist der Sprung, bei dem sich am meisten verändert — plötzlich verstehst du Podcasts, kannst Romane lesen, kannst Smalltalk machen.
Setz dir 12-Monats-Ziele, keine 12-Wochen-Ziele. „In einem Jahr lese ich einen Roman von Ian McEwan im Original und verstehe ihn.” Das ist ein gutes Ziel.
Niveau-Selbsteinschätzung
A2. Du verstehst einfache Sätze, kannst dich vorstellen, ein Hotel buchen, einfache Vergangenheit benutzen. Wenn jemand fragt „How was your weekend?”, kannst du antworten, wenn auch holprig.
B1. Du verstehst die Hauptpunkte klar gesprochener Texte zu vertrauten Themen. Du kannst eine Geschichte erzählen, deine Meinung begründen, einen Plan beschreiben. Im Beruf kannst du eine einfache E-Mail schreiben.
B2. Du verstehst die meisten Filme und Serien mit Untertiteln, viele auch ohne. Du kannst flüssig diskutieren, deine Position vertreten, Fachgespräche in deinem Bereich führen. Schriftlich machst du grammatikalische Fehler, aber wirst gut verstanden.
C1. Du verstehst auch komplexe Texte, Ironie, Subtext. Du kannst dich nuanciert ausdrücken, fließend reden, professionell schreiben. Englisch ist Werkzeug, kein Hindernis.
C2. Native-like. Selten erreicht, selten nötig.
Die meisten Erwachsenen, die ernsthaft Englisch lernen, peilen B2 an. Das reicht für Beruf, Reisen, Medien. C1 ist die Stufe, ab der Englisch sich „leicht” anfühlt — aber dorthin zu kommen, dauert.
BBC Learning English und British Council: kostenlose Schwergewichte
Die zwei besten kostenlosen Quellen für erwachsene Lerner sind beides British-Government-finanzierte Projekte: BBC Learning English (bbc.co.uk/learningenglish) und British Council LearnEnglish (learnenglish.britishcouncil.org).
BBC Learning English ist eher journalistisch: aktuelle Themen, Podcasts, Videos, Vokabel-Erklärungen. Highlights:
- 6 Minute English. Kurze Podcasts mit Transkripten zu allem von Klima bis Künstlicher Intelligenz. Für B1–B2.
- English at Work. Englisch im Büro, in 80 Folgen. Wenn du beruflich Englisch brauchst, ist das Pflichtprogramm.
- Learners’ Questions. Antworten auf häufige Grammatikfragen. Statt Grammatikbuch.
- News Review. Aktuelle Nachrichten in vereinfachtem Englisch.
British Council LearnEnglish ist eher kursartig: strukturierte Übungen, Hörtexte mit Aufgaben, Grammatikerklärungen mit Tests. Highlights:
- English Online (kostenpflichtige Kurse, aber viele kostenlose Übungen).
- Skills Practice. Lese-, Hör-, Schreib-, Sprechübungen nach Niveau gegliedert.
- Grammar Reference. Klare Erklärungen mit Übungen.
Praktisches Vorgehen: Such dir eines der beiden als Hauptquelle aus. Vermisch nicht beides parallel, das fragmentiert dich. Ergänze mit den anderen Quellen unten.
Podcasts: das beste kostenlose Hörmaterial
Englisch lernen ohne Podcasts ist heute eigentlich nicht mehr sinnvoll. Du bekommst Stunden professionell produzierten Audios — kostenlos — direkt aufs Handy.
Empfehlungen für erwachsene Lerner:
Für B1:
- The English We Speak (BBC, 3 Min pro Folge, idiomatische Wendungen)
- 6 Minute English (BBC, Mittelstufe)
- Voice of America Learning English (langsam gesprochen, Texte verfügbar)
Für B2:
- Luke’s English Podcast. Luke Thompson ist Engländer, klar in der Artikulation, witzig. Episoden 30–90 Minuten.
- The English Coach mit Stefanie Saffer. Amerikanisches Englisch, Konversationsthemen.
- All Ears English. Zwei Amerikanerinnen, natürliches Tempo, hilfreiche Erklärungen.
- Plain English Podcast. Aktuelle Themen in vereinfachtem Englisch mit Transkripten.
Für B2/C1 — echte Inhalte:
- The Daily (New York Times). 20-Minuten-Nachrichtenpodcast, journalistisch erstklassig.
- This American Life. Reportage-Podcast, langsam und klar gesprochen, perfekt zum Lernen, weil interessant.
- Planet Money (NPR). Wirtschaftsthemen leicht verständlich erklärt.
- Freakonomics Radio. Datenjournalismus, gut für analytische Denker.
- Hardcore History mit Dan Carlin. Lange Episoden, anspruchsvoll, aber wenn dich Geschichte interessiert, hörst du stundenlang.
Für C1:
- In Our Time (BBC Radio 4). Melvyn Bragg diskutiert mit Akademikern über Geschichte, Philosophie, Wissenschaft. C1-Niveau, aber unbezahlbar.
- The Rest is Politics. Britische Politik analysiert. Schnelles, idiomatisches Englisch.
- Stand-up-Comedy-Podcasts. Wenn du Humor verstehst, ist dein Englisch echt.
Praktisches Vorgehen: Wähl einen Podcast für deine Stufe, hör eine Folge zweimal. Beim zweiten Mal mit Transkript, falls verfügbar. Bei fortgeschritteneren Inhalten ohne Transkript reicht auch das zweite Hören ohne — du verstehst beim zweiten Mal regelmäßig 20 Prozent mehr.
YouTube: kostenlose Live-Universität
YouTube ist die zweite große Kostenlosquelle. Vorteil: Du siehst die Mundbewegungen, kannst die Wiedergabegeschwindigkeit anpassen, Untertitel sind oft direkt eingebettet.
Empfehlungen:
Lernkanäle:
- BBC Learning English (YouTube-Pendant zur Website)
- English with Lucy (klares britisches Englisch, gute Aussprache- und Grammatikvideos)
- Rachel’s English (amerikanische Aussprache im Detail)
- EnglishClass101 (strukturiert, breite Niveaubandbreite)
- engVid (Sammlung von Lehrern, viele Themen)
Echtes Material:
- TED Talks (englisch-tracks.de listet die mit deutschen Transkripten). Die meisten Talks sind 10–20 Minuten, akademisch, aber zugänglich. Untertitel auf YouTube verfügbar.
- Vox. Erklärvideos zu Politik, Wirtschaft, Kultur. Klares amerikanisches Englisch.
- Veritasium. Wissenschaftserklärungen.
- Kurzgesagt – In a Nutshell. Eigentlich deutsche Produktion, aber englischsprachige Videos auf Top-Niveau. Klar, langsam genug, visuell unterstützt.
- The School of Life. Philosophie und Psychologie, ruhig gesprochen.
YouTube-Tipp: Wenn ein Video zu schnell ist, runter auf 0,75 oder 0,5. Wenn es zu langsam ist, hoch auf 1,25. Beides funktioniert, ohne dass die Stimme verzerrt klingt.
Lesen: vom Artikel zum Roman
Lesen baut Vokabular und Grammatikgefühl auf wie nichts sonst. Erwachsene unterschätzen Lesen, weil es nicht „aktiv” genug wirkt. Falsch — du nimmst beim Lesen mehr Sprache auf als in jeder Konversation.
Kostenlose Quellen:
Aktuelle Nachrichten:
- BBC News, The Guardian, The New York Times (begrenzte freie Artikel pro Monat). Tägliche Lesepraxis.
- Reuters, AP News. Knappe, klare Nachrichtenartikel.
- Smithsonian Magazine, The Atlantic. Längere Artikel, höheres Niveau.
Literatur:
- Project Gutenberg (gutenberg.org). Über 70.000 Bücher in Public Domain. Alles vor 1928. Hemingway, Conan Doyle, Wilde, Austen, Dickens.
- Standard Ebooks (standardebooks.org). Project-Gutenberg-Bücher in besserer Formatierung.
- Open Library (openlibrary.org). Bücher zum Ausleihen, oft aktuell.
Fachartikel:
- Wikipedia auf Englisch. Wenn du ein Thema kennst, lies den englischen Artikel. Du verstehst mehr als du denkst, und du lernst Fachvokabular.
- Stack Exchange, Reddit. Echtes idiomatisches Englisch in Diskussionen.
- Medium, Substack. Essays und Reportagen, oft kostenlos.
Empfehlung zur Reihenfolge: Fang mit Artikeln (kurz, abgeschlossen), dann Kurzgeschichten (Roald Dahl „Tales of the Unexpected”, Hemingway „A Clean, Well-Lighted Place”), dann Romane (Agatha Christie zum Einstieg, später anspruchsvolleres). Stress nicht — wenn ein Buch zu schwer ist, leg es zur Seite. Es gibt kein Gesetz, das dich zwingt, Faulkner zu lesen.
Wann sich ein bezahlter Tutor lohnt
Bei aller Liebe zum Kostenlosen — es gibt einen Punkt, an dem ein bezahlter Tutor mehr bringt als zehn Apps.
Der Punkt ist: Du brauchst aktive Produktion mit Korrektur.
Du kannst hundert Podcasts hören, hundert Bücher lesen, hundert YouTube-Videos schauen. Was du nicht trainierst: das Sprechen unter Druck, das Schreiben mit Feedback, die spezifischen Fehler, die du als Deutschsprachiger immer wieder machst (false friends, falsche Präpositionen, falsche Wortstellung).
Wann lohnt sich Tutor:
- Du bist solide bei B1, willst auf B2.
- Du brauchst Englisch beruflich und kannst nicht zwei Jahre warten.
- Du hast einen konkreten Anlass (Auswanderung, Beförderung, Konferenzpräsentation).
Plattformen für bezahlte Tutoren:
- Preply (Preise ab 10–15 €/h für Anfänger-Tutoren, 25–40 €/h für erfahrene). Riesige Auswahl.
- italki (ähnliche Struktur, oft niedrigere Preise für „Community Tutors”).
- Cambly (sofortige Konversation mit Native Speakern, etwas teurer).
Praktische Empfehlung: Zwei bis vier Stunden Tutor pro Monat reichen oft, wenn du dazwischen ernsthaft selbst arbeitest. 60–120 € pro Monat. Das ist deutlich weniger als ein VHS-Kurs und maßgeschneidert für dich.
Wenn du gar kein Geld ausgeben willst: Tandempartner. Apps wie Tandem oder HelloTalk verbinden dich kostenlos mit Menschen, die Deutsch lernen wollen. Ihr sprecht eine halbe Stunde Englisch, eine halbe Stunde Deutsch. Funktioniert, wenn beide Seiten zuverlässig sind. Die Qualität schwankt — kein Tutor-Ersatz, aber gute Ergänzung.
Wo Clue ins Bild passt
Clue (tryclue.app) ist eine kostenlose iOS-App, die ein spezifisches Problem löst: das Nachschlagen während des Konsums von echtem englischsprachigem Material.
Konkret: Du hörst einen Podcast, liest einen Artikel oder schaust ein YouTube-Video. Stößt auf ein unbekanntes Wort. Bisher hättest du pausiert, in einem anderen Tab dict.cc geöffnet, getippt, gelesen, wieder zurückgewechselt — der Fluss ist tot. In Clue tippst du auf das Wort, siehst die Bedeutung auf Deutsch mit Beispielen, und das Wort wird gespeichert, damit du es später nochmal siehst (spaced repetition).
Was Clue nicht ist:
- Kein Kurs. Du wählst Inhalte selbst.
- Keine Grammatikschule. Wenn du systematisch Grammatik lernen willst, brauchst du dafür andere Quellen.
- Nicht für absolute Anfänger. Ab solidem A2/B1 lohnt sich Clue, weil du Material verstehst, das deinem Niveau angemessen ist.
- Kein Sprechtrainer. Für Sprechübung brauchst du Tandems oder Tutoren.
Wenn du also schon BBC-Podcasts hörst, englische Artikel liest oder TED-Talks schaust und dabei alle drei Minuten ein Wort nachschlägst: Schau dir Clue an. Wenn du gerade erst die Grundlagen aufbaust, sind klassische Anfängerquellen passender.
Praktischer Wochenplan für berufstätige Erwachsene
Für jemand auf B1, der in einem Jahr auf solides B2 will, etwa eine Stunde pro Tag:
Montag, 60 Min. Eine Folge 6 Minute English (15 Min, zweimal hören). Dann 45 Minuten Lesen eines BBC News Artikels oder eines Kapitels aus einem Roman.
Dienstag, 60 Min. Ein TED Talk oder Vox-Video (20 Min, mit englischen Untertiteln). Dann 40 Minuten Wiederholung — Notizen vom Vortag durchgehen, drei Beispielsätze schreiben.
Mittwoch, 60 Min. Ein Kapitel eines englischen Romans (45 Min). 15 Minuten Grammatikübung zu einem spezifischen Thema (z.B. Present Perfect vs. Past Simple).
Donnerstag, 60 Min. Längerer Podcast (Luke’s English Podcast, This American Life). Englisch mitschreiben — Stichworte zu dem, was gesagt wurde.
Freitag, 60 Min. Schreibübung: 30 Minuten ein E-Mail- oder Tagebucheintrag auf Englisch. 30 Minuten Lesen.
Samstag, 90 Min. Eine englische Serie oder ein Film mit englischen Untertiteln. „Friends” und „The Office” (US-Version) sind Klassiker, weil sprachlich zugänglich.
Sonntag, 30 Min. Tandem-Gespräch (HelloTalk, Tandem-App) oder Wiederholungsstunde.
Das ist nicht heilig. Tausche, verkürze, mach Pausen. Aber wenn du diesem Rahmen ein Jahr lang folgst, bist du nicht mehr derselbe Englischsprecher.
Häufige Fehler erwachsener Lerner
Fehler 1: Zu früh zu viel. Du installierst sechs Apps, kaufst vier Bücher, abonnierst drei Podcasts. Am zehnten Tag machst du nichts mehr. Eine Hauptquelle, zwei bis drei Ergänzungen, fertig.
Fehler 2: Streak-Logik überbewerten. Drei Tage Pause ist kein Drama. Was zählt, ist die Summe über sechs Monate. Wenn du nur deshalb übst, weil eine App dich an die Streak erinnert, übst du aus den falschen Gründen.
Fehler 3: Material auf falschem Niveau. Wenn du als B1 versuchst, Shakespeare im Original zu lesen, brichst du nach zwei Seiten ab. Wenn du als B2 noch 6 Minute English hörst, langweilst du dich. Such dein Niveau ehrlich aus.
Fehler 4: Nur passiv. Hören und Lesen reichen nicht. Du brauchst Output — Schreiben, Sprechen. Selbst Selbstgespräche auf Englisch helfen.
Fehler 5: Falsche Erwartungen an Apps. Eine App kann dir nicht beibringen, eine englische Konferenzpräsentation zu halten. Eine App kann dir helfen, Vokabular zu vertiefen, Hörverständnis zu trainieren, Nachschlagezeit zu sparen. Mehr nicht.
Fehler 6: Zu wenig Volumen. Wenn du 15 Minuten pro Tag machst, wirst du in zehn Jahren B2 sein. Du brauchst mindestens 45–60 Minuten pro Tag, wenn du in einem Jahr deutlich vorankommen willst.
Fehler 7: Englisch nur als Lernziel sehen. Wenn du Englisch ins Leben integrierst — Filme auf Englisch, Bücher, Spiele, Podcasts — lernst du nebenbei. Wenn Englisch nur die Stunde von 19 bis 20 Uhr ist, lernst du langsam.
Fehler 8: Sich für Akzent oder Fehler schämen. Dein Englisch wird einen Akzent haben. Niemand interessiert das. Dein Englisch wird Fehler haben. Niemand interessiert das. Was interessiert: ob du verständlich kommunizierst.
Häufig gestellte Fragen
Ist Duolingo wirklich kostenlos?
Die Basisversion ja, mit Werbung und mit eingeschränkten „Herzen” (Versuchen). Die Premium-Version (Super Duolingo) kostet etwa 7 €/Monat. Für das, was Duolingo leistet, brauchst du Premium nicht.
Kann man wirklich kostenlos B2 erreichen, oder muss man irgendwann zahlen?
Realistisch: Bis B1 kommst du komplett kostenlos (BBC Learning English, Podcasts, YouTube, Project Gutenberg). Auf B2 kommst du auch kostenlos, brauchst aber Disziplin. Auf C1 ohne bezahlte Konversation kommen die meisten nicht — du brauchst einen Sparringpartner.
Wie viele Stunden pro Tag sollte ich investieren?
Mindestens 30 Minuten täglich für langsamen, stetigen Fortschritt. Eine Stunde täglich für deutlichen Fortschritt. Zwei Stunden täglich für intensive Phasen. Mehr als zwei Stunden täglich bringt selten linearen Gewinn — das Gehirn braucht Pausen.
Reicht es, einfach viele englische Filme zu schauen?
Allein nein. Filme sind passiver Input, oft schnell gesprochen, mit viel Idiomatik. Wenn du auf B1 bist, wirst du wenig aktiv lernen, sondern nur das bestätigen, was du schon kannst. Filme funktionieren als Ergänzung zu strukturierterem Lernen, nicht als Hauptmethode.
Soll ich amerikanisches oder britisches Englisch lernen?
Egal. Wähl, was dir besser gefällt. Wenn du beruflich mit einer Region zu tun hast, wähl die. Sonst: Was dir leichter fällt. Beide Varianten verstehen sich gegenseitig problemlos.
Welche App ist die beste für Erwachsene?
Es gibt nicht die eine. BBC Learning English, kostenlos und ohne App-Installation, ist qualitativ ungeschlagen. Wenn du eine spezifische Funktion brauchst — Vokabel-Karteikarten (Anki), Hörverständnis (LingQ), Tap-to-Translate während des Konsums (Clue) — wähl entsprechend. Die App ersetzt aber nie die Quelle des Inputs.
Ich habe nach drei Monaten das Gefühl, nicht weiterzukommen. Was tun?
Drei Möglichkeiten: Erstens, du bist im sichtbaren Plateau — Fortschritt passiert, du merkst ihn nur nicht. Mach einen Selbsttest (z.B. Cambridge English Online Test), du wirst überrascht sein. Zweitens, dein Material ist nicht herausfordernd genug. Steig eine Stufe höher. Drittens, du hast zu wenig Volumen. Verdopple die Zeit für zwei Wochen und beobachte.
Zum Schluss
Englisch als Erwachsener kostenlos zu lernen ist 2026 einfacher als je zuvor. Du hast Zugriff auf BBC-Produktionen, Cambridge-Material, Tausende von Podcasts, Millionen Stunden YouTube-Video, jede Public-Domain-Literatur seit Shakespeare. Was du bezahlst, ist nicht Geld — es ist Zeit und Aufmerksamkeit.
Was du nicht brauchst: noch eine App mit Eulen und Punkten. Was du brauchst: ein klares Ziel, ein realistisches Tempo, Inhalte, die dich tatsächlich interessieren, und Disziplin im Alltag.
Wenn du gern mit Tools arbeitest, die das Lesen und Hören echter Inhalte reibungsärmer machen — Clue ist eine Option. Wenn du lieber mit Wörterbuch und Notizbuch arbeitest, ist das genauso gut. Die Methode ist sekundär. Was zählt: dass du jeden Monat ein paar Stunden Englisch in dich hineinbringst, und das über zwei oder drei Jahre durchhältst. Dann wirst du den Engländer im Konferenzraum nicht nur verstehen — du wirst antworten.
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